Till Lenecke

Die Webseite zum Buch

hidden and lost places

Verstärktes Softcover, 240 x 180 mm
64 Seiten
ISBN 978-3-946154-12-9
24,95 € (inkl. Mwst)

hidden and lost places

Verstärktes Softcover, 240 x 180 mm
64 Seiten
ISBN 978-3-946154-12-9
24,95 € (inkl. Mwst)

Man sieht der Freien und Hansestadt ihr Alter nicht an.
Das meiste Alte wurde von Bomben zerstört oder fiel der Stadtplanung zum Opfer. Übrig blieben ein paar Häuser und Straßenzüge, die bequem auf eine Ansichtskarte passen. „Das kann doch nicht alles sein“, dachte ich mir und machte mich mit Fahrrad und Skizzenbuch auf die Suche.

In dem Buch HIDDEN AND LOST PLACES zeige ich 16 Orte welche von den meisten Hamburgern unentdeckt, übersehen oder schlicht vergessen worden sind. Hier finden Sie eine kleine Auswahl an zusätzlichen Material, das im Buch kein Platz mehr gefunden hat.

Viel Spaß beim lesen und entdecken,
Herzlichst Euer Till Lenecke

1 | Altona-Altstadt

53° 33′ 22,5″ N
09° 57′ 08,8″ O

Gählerstraße 15. Dritter Stock Mitte. 40 m2 für 297 Euro warm. Blick aus dem Fenster meiner Wohnung. Von hier aus begann ich meine Umgebung zu dokumentieren, Fotos und Zeichnungen von Gebäuden zu machen, welche bald verschwinden sollten. Mich störte es, wenn sich in meiner Umgebung etwas veränderte. Ich wollte mit Fotos und etwas später mit Zeichnungen dagegen anwirken. In privatem Rahmen. Ganz für mich alleine.

2 | St.Pauli

53° 53′ 77,3″ N
09° 57′ 08,8″ O

Ein echtes Relikt der Vergangenheit. Der letzte steinerne Zirkus auf St. Pauli. Wahrscheinlich deshalb noch existent, weil er so weit ab vom Kiez liegt. Aus Fußgängerperspektive springt die Schilleroper nicht gerade ins Auge. Ein baufälliges Gebäude eben. Eine Nachkriegsruine, wie es sie in den 1990er Jahren in Hamburg noch viele gab.

Die Schilleroper ist ein ehemaliges Theater in Hamburg-St. Pauli und Namensgeberin der Straße »Bei der Schilleroper«. Derzeit steht das in Deutschland einzigartige Gebäude mit der amtlichen Belegenheit »Bei der Schilleroper 14/16/20« leer.

Der durch Krieg und Abnutzung veränderte runde Stahlskelettbau war 1889 bis 1891 für den Circus Busch erbaut worden. Er wurde 1891 mit einer Galavorstellung eröffnet und fasste in seinem Zuschauerraum über tausend Besucher. In Nebengebäuden befanden sich unter anderem Artistenwohnungen, ein Requisitenfundus und Elefantenställe. Der Zirkus zog von dort bereits 1899 in einen neuen festen Zirkusbau am Zirkusweg nahe der Reeperbahn um. Die Gestalt des ehemaligen Zirkus ist im Verlauf des 20. Jahrhunderts mehrfach verändert worden. Die letzte Nutzung des Zentralbaus als auch der Anbauten endete im März 2006 mit Schließung des Subkultur-Clubs »Schilleroper«.

3 | Hamburg-Altstadt

53° 54′ 58,9″ N
09° 99′ 40,5″ O

Ich wollte mehr Altes in der Altstadt finden. Um eine gute Übersicht zu haben, brauchte ich einen guten und hohen Stand. Fünf Hauptkirchen zählt die Altstadt und ich nahm mir vor, sie alle zu erklettern, wie Zeichner und Kartographen es jahrhundertelang gemacht haben.

Nicht jede Kirche kommt für so ein Unternehmen infrage. St. Nicolai ist eine Ruine, ähnlich wie die Gedächtniskirche in Berlin. St. Petri besitzt im Turm weder Plattform noch Fenster: Somit uninteressant. Die St. Michaeliskirche war am einfachsten: Fahrstuhl zahlen und schon war ich am Ziel. St. Jacobi hat ihr Turmcafé geschlossen, trotzdem durfte ich gegen Ehrenwort nach oben um Fotos zu machen.

Der Rundumblick überall war berückend. Wenngleich ich keine weitere Sensation für mein Album finden konnte. Am Ende war der aufregendste Hidden Place der letzte Turm auf meiner Liste: St. Katharinen.

4 | Neuhof

53° 52′ 87,4″ N
09° 94′ 61,4″ O

Nicht weit von Wilhelmsburg lag die U-Bootwerft am Vulkanhafen. Oder umgangssprachlich: der U-Bootbunker. In dieses Ungetüm aus Dunkelheit und Beton traute ich mich nicht alleine rein. Wir stiegen ein, wo die Betondecke wie ein konvexes Giebeldach eingeknickt war. Dort gab es einen Spalt, durch den wir Zugang zur Kaimauer erlangten. Unter der Platte hatten wir dann den Blick über das Hafenbecken. Bei Ebbe konnte man trockenen Fußes durch das Becken gehen. Wir kamen zu spät um alles anzuschauen. So verpassten wir das andere Becken mit den U-Booten. Die Flut raste so sehr, dass man dem Wasser beim Näherkommen zusehen konnte. Da bekommt man schnell nasse Füße. Der Bunker wurde in fünf großen Schritten abgebrochen. Mindestens zwei hatte die Anlage schon hinter sich, als Martin und ich dort einstiegen. Nur wenige Jahre nach unserem Ausflug wurden die letzten noch sichtbaren Reste des Bunkers mit einer Erdschicht überdeckt. Heute ist das Areal ein Firmengelände, auf dem Lkw parken und Container abgestellt werden.

5 | Farmsen

53° 59′ 61,9″ N
10° 10′ 24,7″ O

Kurze Zeit wohnte ich östlich der Alster. Damals führten mich meine Entdeckungstouren in vollkommen neue Regionen.

Die Trabrennbahn Farmsen kann jeder ganz einfach finden. Schließlich gibt es immer noch eine Haltestelle der Hochbahn mit diesem Namen. Doch von der ehemaligen Rennbahn ist kaum mehr als der Grundriss geblieben. Jetzt stehen dort Neubauten an Straßen, welche die Stadionform der ehemaligen Rennbahn nachzeichnen.

6 | Wilhemsburg

53° 51′ 0,28″ N
09° 98′ 94,3″ O

Es gibt noch zwei große Flakbunker in Hamburg. Den Ersten auf St. Pauli (Keine Abbildung). Prominent gelegen zwischen Dom und U-Bahn Feldstraße. Den weniger berühmten in Wilhelmsburg. Im Brachland zwischen Reichsstraße und Reiherstieg. Nach dem Krieg von innen gesprengt aber von außen fast unbeschädigt. Eine 30 Meter hohe Hülse aus Beton voller scharfkantiger Trümmer.

7 | Bahrenfeld

53° 56′ 16,3″ N
09° 91′ 86,8″ O

Martin der neu in Hamburg war, fand das Gelände der ehemaligen Pferdefutterfabrik auf einer seiner eigenen Exkursionen durch die Stadt. Mir war es vollkommen unbekannt.

Wir robbten unter der Tür in die Hallen und kriegten die Münder nicht wieder zu. Die Dimensionen der Hallen machten uns sprachlos. Wir versuchten, den Raum zu erobern. Ich machte Fotos und kletterte dazu auf den Maschinenblock in der Mitte der Halle. Vier Stockwerke hoch und dick mit Mehl und Staub gepudert. Kein Zweifel, das war früher eine Mühle. Auch kein Zweifel, vor uns waren schon jede Menge andere Eindringlinge hier gewesen. Die Spuren überall waren unübersehbar.

Von Draußen knallte die Sonne herein und man konnte den Verkehr auf der B431 deutlich hören. Hier drinnen war es dunkel und ruhig.

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